Armut

FX Blog – IWF und Griechenland, EZB und die Zinskurve, Euro vs. US-Dollar

Jul 31, 2015

Griechenland und die Schuldenkrise – IWF zeigt Einsicht bezüglich Schuldendynamik

Die Schuldenkrise Griechenlands scheint sich vorläufig etwas beruhigt zu haben. Gewiß, die griechische Wirtschaft wird unter der Absichtserklärung zwischen Tsipras und den internationalen Gläubigern leiden, doch das umfangreiche Rettungspaket, das sich in den kommenden drei Jahren auf etwa 85 Milliarden Euro beziffern lässt, hat den befürchteten Grexit erst einmal ad acta gelegt.

Die gute Nachricht ist, dass gemäß der neuesten Schuldentragfähigkeitsanalyse des Internationalen Währungsfonds ausdrücklich festgehalten worden ist, dass Griechenlands Schulden in dieser Form nicht mehr tragbar sind. Die Schuldendynamik des angeschlagenen GIPS-Staates hat es in den letzten sechs Jahren ans Tageslicht gebracht: Griechenland wurde, leider muss man sagen, einem rigorosen Sparprogramm unterworfen, das sich negativ auf die heimische Volkswirtschaft ausgewirkt hat.

GIPS-Staaen – Schuldenerlass außer Frage, Zinsbelastung nicht

Dies hat zu der Einsicht geführt zumindest die Zinsbelastung zu reduzieren. Ein Schuldenerlass steht außer Frage, würde er doch eine äußerst negative Signalwirkung auf die übrigen GIPS-Staaten haben. Hier sei insbesondere auf die Podemos-Partei in Spanien hingewiesen. Legal spricht der Vertrags von Lissabon, speziell der Artikel 125, gegen den Schuldenerlass. Wirtschaftlich wären die Auswirkungen für den Bankensektor verheerend.

Der gesunde Menschenverstand suggeriert, dass man Schulden zurückzahlen muss, zumal sich die Schuldenproblematik in der gesamten europäischen Peripherie ähnlich verhält, nämlich eine abstrus hohe Privatverschuldung offenlegt.

Sicherlich, die Eurozone kam mit schweren Geburtsfehlern zur Welt, es gab innerhalb des gemeinsamen Währungsraums das Zinsgefälle, dass starke Anreize zur Kreditaufnahme bei den südlichen Nachbarn gesetzt hat, womit man jedoch wieder bei dem gesunden Menschenverstand ankommt. Anreize muss man nicht immer wahrnehmen, vorausgesetzt, man bringt Planungsbereitschaft für die Zukunft mit. Das fängt bei privaten Belangen an und akkumuliert sich letztendlich in den gesamten Volkswirtschaft.  Die fiskalische Disziplinlosigkeit kann vielerorts nicht geleugnet werden.

Finanzsystem und Wirtschaft – EZB verliert den Kampf am langen Ende der Zinskurve

Leugnen kann man jedoch auch nicht, dass die Schmerzgrenze der griechschen Bürger mittlerweise erreicht sein dürfte. Über den Schuldenerlass sollte man, insbesondere wenn sich die Schuldendynamik verschlimmert, eventuell in spätestens zwei, drei Jahren erneut nachdenken, vorausgesetzt, das Finanzsystem überlebt die kommende Zeit.

Positive Anreize könnten beispielsweise über einen partiellen Schuldenerlass gesetzt werden, wenn Reformwille tatsächlich an den Tag gelegt wird. Schließlich geht es um ein gemeinsames Europa und nicht darum Staaten aushungern zu lassen.

Aus diesem Grund sollte man insbesondere die Entwicklung in der europäischen Peripherie im nächsten Jahr mit Argusaugen beobachten und dabei die beiden Seiten der Medaille betrachten, die Wirtschaft und das Leben der Menschen.Ein Wirtschaftssystem, dass Züge der Unmenschlichkeit annimmt, kann kein Weg in eine bessere Welt sein.  

Trotz der immensen Flutung der Märkte mit Liquidität  zeigt sich das lange Zinskurvenende ziemlich unbeeindruckt. Die Staatsanleihen mit langer Laufzeit haben seit dem letzten Crash einen Großteil ihrer Attraktivität eingebüsst, die Alternativen sind rar.

FX Trading – Euro vs. US-Dollar – EUR/USD im Fokus der US-Wirtschaft

Euro wird gegen den US-Dollar in der Nähe der 1,1000-Marke gepreist. Eine statistisch robuste US-Wirtschaft, selbstverständlich vor dem Hintergrund der Eurokrise betrachtet, könnte in den kommenden Wochen einen Abwärtssog für die gemeinsame europäische Leitwährung auslösen.

Gegenwärtig zeigt sich die japanische Volkswirtschaft ebenfalls robust, was interessante Impliaktionen auf den EUR/JPY haben wird.

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Konfuzius: "In einem gut regierten Land ist Armut eine Schande, in einem schlecht regierten Reichtum."

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