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Euro Griechenland Briefing – Tsipras-EZB-Duell, Banken und Rohöl

May 19, 2015

Banken Griechenlands vor Insolvenz – EZB kann Druck ausüben

Die Banken des angeschlagenen GIPS-Staates befinden sich gegenwärtig in einer äußerst prekären Situation, die den Ministerpräsidenten Tsipras zum Einlenken im Finanzpoker zwischen Griechenland und der Eurozone zwingen könnte. Das ELA-Programm der europäischen Zentralbank hat dem griechischen Bankensystem bislang ein Volumen von 80 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt.

Die Banken haben im Gegenzug Sicherheiten hinterlegt, die bisher ausreichend sind, um weitere 15 Milliarden Euro aufzunehmen, vorausgesetzt die EZB erhöht die geforderten Abschläge nicht. Dieses Szenario setzt voraus, dass zum einen die Verhandlungen erfolgreich fortgeführt werden und zum anderen Griechenland seine Zahlungen fristgerecht bedient.

Bei dem aktuellen Tauziehen bleibt Griechenland bis zur Hälfte des Jahres Herr der Lage, spricht liquide. Falls die EZB jedoch die Abschläge erhöht, werden weitere Mittelabflüsse aus Griechenland ausgelöst werden, was aber die Insolvenz für griechische Banken zur Folge hätte. Für Alexis Tsipras bedeutet dies entweder die Einigung mit den internationalen Gläubigern oder die rasche Einführung von Kapitalverkehrskontrollen.

Euro – Erhöhte Volatilität wahrscheinlich

Am Devisenmarkt wurde die europäische Leitwährung gegen den US-Dollar bis in die Nähe der 1,1280-Marke gehandelt.

Sollten der Finanzpoker zwischen Tsipras und seinen immer ungeduldiger werdenden internationalen Gläubigern verschärft werden, ist in den kommenden Wochen mit einer erheblichen Erhöhung der Volatilität in den EUR-FX-Paaren zu rechnen.

Rally beim Rohöl – Absehbar, kaum von Fundamentaldaten unterstützt

Die Rally beim Rohöl, die man seit dem Beginn des Jahres beobachten kann, steht fundamental auf sehr wackeligen Beinen. Um uns die Entwicklung in Erinnerung zu rufen: Brent-Öl kletterte von einem Preisniveu um die 45 US-Dollar zum Beginn des Jahres auf gehandelte Niveaus von zeitweilig mehr als 65 US-Dollar pro Barrel. WTI-Öl stieg seit dem 16.März von 43 US-Dollar auf Preisstände über der Marke von 60 US-Dollar.

Jüngste Entwicklungen sprechen jedoch für ein Überhangangebot beim Öl. Erst kürzlich haben die EIA-Zahlen bestätigt, was unter den Branchenkennern schon lange kein Geheimnis mehr war. Die Ölproduktion der Vereinigten Staaten wurde trotz der Abnahme der aktiven Bohrlöcher extrem ausgeweitet, auch wurde der Lagerbestand, nicht zuletzt durch die Spannungen aus der Ukraine-Krise, erheblich aufgestockt.

Das zunehmende globale Angebot dürfte die Notierungen in den kommenden Monaten belasten. Die Faktoren sind zahlreich. Sowohl die OPEC-Staaten als auch Russland dürften aus Gründen der Spieltheorie ebenfalls ihre Fördermengen, auch durch effizientere Technologien, steigern. Dasselbe Szenario gilt auch für die Schieferölproduzenten.

Die Konjunkturflaute bei den BRIC-Staaten wirkt ebenfalls belastend. Russlands Wirtschaft befindet sehr aktuell auf schwachen Beinen, China hat ein gemäßigteres Tempo eingelegt, Indien kämpft vermehrt mit sozialen Problemen und Brasilien wackelt. Die Korrektur könnte die Ölpreise in die Nähe der 50-Dollar-Marke drücken. Selbstverständlich könnte dieses Szenario durch geopolitische Unruheherde, verwiesen sei beispielsweise etwa auf die ISIS, verworfen werden.

Wirtschaftsdaten – FOMC, Verbrauchervertrauen Eurozone und ifo-Geschäftsklimaindex

An wichtigen Daten stehen in dieser Woche einige Termine fest, allerdings dürfte es erst ab Mittwoch interessant werden, wenn der Rat der US-amerikanischen Notenbank, zu englisch, Federal Open Market Committee, die Mitschrift der April-Sitzung veröffentlicht. Dies wird um 20.00 Uhr MEZ der Fall sein.

Wunder sind nicht zu erwarten, höchstens das Abfischen einiger zittriger Order, vornehmlich aus dem Retaibereich, am Devisenmarkt. Im Großen und Ganzen wird von den institutionellen Marktteilnehmern der Weg zu einer etwas straffen amerikanischen Geldpolitik als nicht allzu sehr holprig eingestuft.

Am Donnerstag wird dann das Verbrauchervertrauen für den Monat Mai bekannt gegeben, im Vorfeld wird ein Wert bei minus 4,8 erwartet. Im April wurde seitens der Europäischen Kommission ein Ergebnis bei minus 4,6 festgehalten, eine Fortsetzung des Trends ist aufgrund der oben erläuterten Situation bei den Energiepreisen, die wahrscheinlich auch in das Verbrauchervertrauen hineingespielt haben, als unwahrscheinlich einzustufen. Um 16:00 Uhr MEZ wird der Markt mehr wissen.

Am letzten Handelstag in dieser Woche um 10:00 Uhr MEZ wird der Ifo-Geschäftsklimaindex für den aktuellen Monat offengelegt. 108,3 werden nach zuvor 108,6 in die Bücher eingetragenen erwartet. Legt man langjährige Datensätze neben den aktuellen Wert, sieht man, dass selbst ein bestätigter Rückgang kein Beinbruch darstellt.

Allerdings sollte der nachlassende Effekt des Rohöls zu Spottpreisen auf die deutsche Volkswirtschaft nicht außer Acht gelassen werden.  Auch der sich verteuernde Euro wirkt sich nachteilig auf den Konjunkturmotor der Bundesrepublik aus.

Welche Schlüsse zieht der smarte Marktteilnehmer daraus? Die Vorgehensweise, wie sie oft anzutreffen ist, nämlich die Betrachtung isolierter Datensätze ohne Einbettung in den Kontext, ist eine brotlose Kunst. Festhalten kann man zumindest schon einmal dies: Information ohne Kontext ist nutzlos, sogar extrem nachteilig.

Weitere Daten dürfen von erfahrenen Teilnehmern gerne im Smartest Finance Wirtschaftskalender nachgesehen werden. Anderen Besuchern wird ein gutes makroökonomisches Lehrbuch sehr ans Herz gelegt. Die meisten Anfänger sehen den Devisenhandel als eine Art Casino. Dementsprechend schlecht fallen dann die Ergebnisse aus.

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